Fotoverlust: Retten, was zu retten ist
Hallo zusammen,
am Heiligen Abend möchte ich ein paar Worte zum Thema Fotoverlust verlieren und euch zum Nachdenken anregen. Es gibt leider genügend Anwender, die an den Verlust von Bildern keinen Gedanken verschwenden. Ich kann euch nur sagen, ich habe selbst zu dieser Gruppe gehört – bis 2005 tatsächlich der Super-GAU eingetreten ist. Wenn die gefühlte Katastrophe Wirklichkeit wird, gilt es zu retten, was zu retten ist.
Die Meinung “Wer Fotos verliert, ist selbst schuld und verdient kein Mitleid” habe ich in diversen deutsch- und englischsprachigen Foren eigentlich seit Anbeginn meiner Internetzeit immer wieder mal gelesen. Was mir zu Beginn noch relativ egal war, wurde dann leider 2005 zur schrecklichen Realität. Meine Festplatte hatte sich von heute auf morgen ohne jede Vorwarnung Richtung Datenhimmel verabschiedet und 60GB Daten mitgenommen, darunter Tausende Fotos von Urlauben und wichtigen privaten Anlässen. Auch heute, fünf Jahre danach, schmerzt der Verlust von vielen wichtigen Bildern noch immer. Hätte es damals schon Lightroom gegeben, wäre alles vielleicht nicht so schlimm gewesen, dazu später mehr.
Deshalb der abgedroschene Tipp: Sichert eure Fotos! Nicht bald, nicht morgen, nicht bei nächster Gelegenheit. JETZT.
Aber gut, wir alle wissen, dass man oft nur aus Schaden klug wird. Und der kann schneller eintreten, als man denkt. Wer glaubt, so etwas passiere nur DAUs (dümmster anzunehmender User), dem seien zum Beispiel Wörter wie Festplattencrash, Diebstahl, ein defektes Betriebssystem oder Unachtsamkeit entgegengeworfen.
Nach dieser Abschweifung, die euch wachrütteln sollte, gehen wir nun auf das eigentlich Thema dieses Blogeintrags ein. Es geht darum, wie man mit Lightroom Fotos rettet, die man versehentlich gelöscht hat. Das mag für Profis unmöglich klingen, allerdings findet Lightroom auch bei den weniger versierten Anwendern immer mehr Freunde. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass es bereits zwei User aus meinem Bekanntenkreis geschafft haben, Fotos in Lightroom zu importieren und sofort danach die Originale “erfolgreich” unwiederbringlich zu vernichten. So etwas passiert, wenn die Bilder direkt von der Speicherkarte in den Lightroom-Katalog mit der Option “Fotos an den aktuellen Speicherorten importieren” importiert werden. Sobald man die Karte formatiert, fehlt auch die Referenz zu den hochauflösenden Originalbildern in Lightroom.
Deshalb vier Tipps:
1.) Fotos von der Speicherkarte immer zuerst auf die Festplatte kopieren und nicht direkt in Lightroom von der Speicherkarte importieren.
2.) Löscht die Fotos nicht sofort nach dem Kopieren auf die Festplatten von der Speicherkarte! Nehmt, wenn vorhanden, eine weitere Karte für die nächsten Aufträge und lasst die Karte mit den aktuellen Bildern so lange unformatiert wie möglich. Dadurch habt ihr auch noch eine Sicherheitskopie, wenn ihr erst nach einigen Tagen oder Wochen mit der Bearbeitung in Lightroom beginnt und feststellt, dass es Probleme gibt.
3.) Erstellt sofort nach dem Kopieren auf die Festplatte ein Backup auf einer anderen und/oder externen Festplatte.
4.) Lasst eure besten Bilder beim Printshop eurer Wahl entwickeln.
Tja, wie es das Leben so will, passiert es weniger erfahrenen Anwendern trotzdem immer wieder mal, dass die Originaldaten im Nirvana verschwinden. Wenn Lightroom zur Verwaltung und Bearbeitung im Einsatz ist, besteht zumindest noch Hoffnung. Es gibt das Programm LRViewer von Marc Rochkind, das in zweierlei Weise interessant ist. Zum einen kann der Fotograf beim Kunden Rohdaten präsentieren, ohne dass Lightroom installiert sein muss – LRViewer liest die Vorschau-JPGs aus den Rohdaten aus und zeigt diese an.
Zum anderen ist es interessant, weil die Software diese JPG-Vorschaudateien auch exportieren kann. Wenn also die Original-Rohdaten auf irgendeine Art und Weise unwiederbringlich verloren gehen, kann man zumindest noch die Vorschauen rekonstruieren. Hat man optimalerweise überhaupt gleich nach dem Import 1:1-Vorschauen rendern lassen, kann LRViewer hochauflösende JPGs abspeichern, womit der Verlust relativ gering ausfällt. Selbst wenn diese Daten nicht vorhanden sein sollten, sind wenigstens auch die kleinen Vorschaudateien zumindest eine Erinnerung. Je nach vorhandener Auflösung lassen sich auch damit noch 10x15cm-Abzüge drucken.
Habt ihr noch Fragen zu diesem Thema oder eigene Erfahrungen?
Bleibt abschließend noch zu sagen: Matthias, Micha und ich wünschen euch ein besinnliches Weihnachtsfest!
Viele Grüße,
Christian
24.12.2010 um 10:53
Also gerade im Zusammenhang mit Lightroom ist mein Workflow wie folgt: Daten von der Karte in Lightroom importieren mit der Option, sie an einen neuen Speicherort (nämlich auf meine Datenplatte) zu kopieren. Anschliessend wird die Karte ausgeworfen, die Daten befinden sich jetzt an zwei Speicherorten (Platte und Karte). Je nachdem ob ich die Karte sofort wieder brauche kopiere ich die Daten auf mein Backuplaufwerk (NAS), ansonsten lasse ich das die tägliche automatisierte Datensicherung erledigen. Erst dann wird die Karte formatiert. Das funktioniert ganz gut. Und da das NAS RAID 1 hat liegen die Daten jetzt auf drei Platten.
24.12.2010 um 12:41
Hallo,
wenn man beim start des Lightroom Importers die Speicherkarte auswählt, setzt Lightroom automatisch die Einstellung auf “in Ordner Kopieren und Importieren”. Das ist gut so :)
Klar ist es am Anfang für normale User schwer zu verstehen, dass Lightroom nach dem Importieren die normalen Fotos noch braucht. Lightroom ist halt ein Katalog :)
Du hast auf jeden Fall mein Beileid mit deinen Fotos.
Ich sicher jeden Monat am ersten Tag meine Fotos auf eine Backup Platte, die nur an diesem Tag angeschlossen wird und sonst sicher im Schrank liegt. Falls ich viele Fotos an einem Tag mache oder von wichtigen Events, fahre ich meist eine Ungeplante Sicherung!
Gruß Nils
26.12.2010 um 13:42
Hallo,
mein Workflow sieht folgendermaßen aus:
Mit der Kamerasoftware speichere ich die Bilder in ein CR2-Verzeichnis (Ja, ich bin Canon-User ;))
Danach übernehme ich von dem Verzeichnis meine Bilder in Lightroom und konvertiere diese gleich in das DNG-Format. Zugleich ist die Option Zweite Kopie an folgendem Ort anlegen eingeschaltet (Sie sichert die Originaldatei mit dem DNG-Namen, aber als CR2-File). Dort habe ich dann eine externe Festplatte ausgewählt.
Meine Datensicherung mache ich dann wöchentlich auf einer weitere externe Festplatte (hier aber mit allen persönlichen Dateien).
Am Wochende wird dann noch eine Synchronisation des Multimediaverzeichnis mit eine externen Festplatte vorgenommen. Von den Festplatten habe ich zwei, die ich anschließend abwechselnd mit ins Büro nehme und dort bis zum nächsten Tausch aufbewahre.
Hoffentlich reicht das aus, um den Sonnensturm 2012 zu überstehen.
Gruß
Hubert
3.01.2011 um 17:51
Hallo,
ich sichere meine Bilder bei http://www.Gigabank.de. Ist zwar teuer, aber meine Bilder sind es mir wert.
Gruß
Ralph