“Automatisch maskieren” beim Korrekturpinsel

31.12.2010 Gepostet in Allgemein, Lightroom

Hallo zusammen,

der letzte Blogeintrag im Jahr 2010 ist der Option “automatisch maskieren” beim Korrekturpinsel gewidmet. Sie ist sehr einfach zu verstehen und wahrlich keine Hexerei – blind vertrauen sollte man ihr allerdings trotzdem nicht.

Anhand von drei Beispielfotos möchte ich euch zeigen, wann die Option Sinn macht und enorm Zeit spart, andererseits aber auch unbeabsichtigt Schaden anrichten kann und viel Nachbearbeitung erfordert. Dabei werden wir auch auf ein kleines Tastenkürzel stoßen, das die Arbeit erleichtert und uns flexibel auf den Bildinhalt reagieren lässt.

Der Korrekturpinsel kommt immer dann ins Spiel, wenn lokale Bereiche im Bild korrigiert werden müssen. Das kann nur die Belichtung angehen, aber auch bei Problemen mit Farbe, Kontrast oder Sättigung interessant werden. Die folgenden drei Fotos stellen Anwendungsbeispiele aus Architektur (mehr oder weniger), Natur und Porträt dar.

Beispiel 1 – Leichtes Spiel bei harten Kanten
Problem: Das Foto wurde aus dem Schatten heraus aufgenommen und beinhaltet auch ein Gebäude, das in der direkten Sonne liegt. Die Kamera kann den hohen Dynamikumfang nicht komplett darstellen, mit den Reserven im RAW können aber die überbelichteten Bereiche problemlos abgedunkelt werden.

Im Korrekturpinsel stelle ich die Belichtung schätzungsweise um -0,90 Blendenstufen herab, die exakt benötigte Zahl lässt sich später jederzeit anpassen. Um nur das Gebäude und nicht den Himmel abzudunkeln, hilft die Option “automatisch maskieren” ungemein weiter. Wenn euch der kleine Kontrollpunkt während der Arbeit stört, könnt ihr ihn einfach mit der Taste H ausblenden. Mittels relativ kleiner Pinselspitze und recht weicher Kante male ich einfach entlang der Kante des Gebäudes. Eventuell nicht ausgewählte Bereiche ignoriere ich dabei vorerst. Im Screenshot ist die rote Überlagerung (Taste O) aktiviert – diese hilft zu kontrollieren, welche Stellen bereits markiert sind. Übrigens: hebt sich die rote Markierungsfarbe nicht genügend vom Bildhintergrund ab, kann man diese auch ändern. Dazu einfach das Tastenkürzel Umschalttaste + O drücken, um zu einer grünen, weißen oder grauen Überlagerung zu wechseln.

Um zwischendurch die noch nicht ausgewählten Teile ebenfalls in die Auswahl zu integrieren, könnte man natürlich einfach das Häckchen bei “automatisch maskieren” wegklicken und danach wieder aktivieren. Wesentlich schneller, komfortabler und vor allem flexibler geht das mit der STRG/CMD-Taste. Hält man diese bei aktiviertem Häckchen gedrückt, wechselt Lightroom unsichtbar in den Standardmodus und man kann einfach drauf los malen ohne dass Kanten berücksichtigt werden. Lässt man die Taste los, ist die Option “automatisch maskieren” wieder aktiv. Im folgenden Screenshot seht ihr die fertige Auswahl:

Beispiel 2 – Der Teufel steckt im Detail
Problem: Das Foto eines kleinen Wasserfalls in einer Klamm musste global aufgehellt werden, da bei der Aufnahme die Belichtungszeit auf das Wasser abgestimmt wurde. Bei der Erhöhung der Belichtung in Lightroom sind die Details im Wasser ausgefressen und müssen zurück geholt werden.

Im Bild wurde bereits der Korrekturpinsel mit der Option “automatisch maskieren” angewendet, ihr betrachtet die fertige Version. Sieht ja in der verkleinerten Webversion eigentlich gut aus … Aber lasst euch nicht täuschen (wie ich)! Mir ist bei der Bearbeitung vor einem halben Jahr ein grober Fehler unterlaufen.

Wenn man eine der korrigierten Stellen mal in 100-prozentiger Ansicht ansieht, fallen sofort die unschönen Kanten auf. Warum ich das damals nicht bemerkt habe? Ganz einfach, ich habe nicht in vergrößerter Ansicht, sondern in der kleinen Standardansicht die Bearbeitung vorgenommen. Der Fehler ist mir leider erst aufgefallen, als ich den Print in 45×30 cm in Händen hielt. Auch wenn man aus Fehlern lernt: Lasst euch das eine Lehre sein und macht mir diesen Fehler nicht nach! ;-)

Die Option “automatisch maskieren” sollte also entweder nicht oder nur mit genauer Beobachtung benutzt werden, wenn keine harten Kanten im zu bearbeitenden Bereich vorliegen. Ein Foto wie das vorliegende benötigt jedoch so oder so eine Nachbearbeitung bei Anwendung des Korrekturpinsels. Das ist dafür recht einfach: mit gehaltener ALT-Taste wechselt man temporär zum Radiergummi-Werkzeug, in dem man ebenso eine relativ großzügige Pinselgröße mit weicher Kante, aber nicht zu hohem Fluss einstellt. Dann einfach die hässlichen Bereiche vorsichtig korrigieren. Im Screenshot seht ihr die ursprüngliche (mit “automatisch maskieren”) und die per Radiergummi reparierte Version:

Beispiel 3 – Besondere Vorsicht bei Porträts
Problem: Das Foto (dankenswerterweise von Micha bereitgestellt) ist in einer Gesichtshälfte um eine Blendenstufe überbelichtet. Ein weiterer Fall für den Korrekturpinsel!

Hier kommt die Option “automatisch maskieren” auf keinen Fall in Frage, sie würde durch die vielen unterschiedlichen Bereiche im Gesicht eine Menge unschöner Stellen hinterlassen, die man in der Nachbearbeitung eventuell übersieht. Zuerst eine Vergleichsansicht vom Ausgangszustand und die korrigierte Version:

Die Vorgangsweise ist wiederum sehr einfach. In einem ersten Schritt übermalt man mit einer beliebig verringerten Belichtung die zu hellen Stellen (großer Pinsel, weiche Kante). Das Ergebnis seht ihr im folgenden Screenshot in der Mitte. Ein ungeübtes Auge könnte mit diesem Ergebnis schon leben. Der Lightroom-Blog-Leser selbstverständlich nicht! ;-) Es müssen auf jeden Fall wieder mit dem Radiergummi die Kanten zurückgenommen werden (großer Pinsel, weiche Kante, geringer Fluss von ca. 20-50% je nach Bereich):

Gut gut, das war’s dann in diesem Jahr! Fragen werden aber gerne auch 2011 beantwortet. :-)

Das Team vom Lightroom-Blog wünscht euch einen guten Rutsch!

Viele Grüße,
Christian

Ein Kommentar zu ““Automatisch maskieren” beim Korrekturpinsel”

  1. PhotoAlex schreibt:

    Wünsche ebenfalls einen guten Rutsch ! Auf ein erfolgreiches und kreatives 2011 ! :)


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