Zeitraffer mit LR-Timelapse optimieren
Hallo zusammen,
seid ihr auch immer wieder von Zeitraffer-Filmen im Internet und Fernsehen fasziniert? In wenigen Sekunden sieht der Betrachter Veränderungen des Klimas, fortschreitende Bauarbeiten oder Bewegungsabläufe in einer Großstadt. Wer selbst einmal Zeitraffer ausprobieren möchte, sollte sich mal das Programm LR-Timelapse ansehen.
Gunther Wegner bietet auf seiner Webseite nicht nur eine äußerst ausführliche Anleitung für einfache Zeitraffer an, sondern hat sich zusätzlich auch die Mühe gemacht, mit LR-Timelapse ein Programm zur Animation von Parametern zu erstellen. Gunther arbeitet im Bereich IT-Projektmanagement und Consulting und beschäftigt sich nebenbei leidenschaftlich mit dem Reisen, Fotografieren, Filmen, Schreiben und Gestalten. All dies fließt in seinem Blog zusammen. Gunther ist auch auf Twitter und Facebook vertreten.
Im folgenden Video seht ihr zuerst mal einfache Zeitraffer ohne Animation:
In sehr kurzer Form die Schritte zum Erstellen solch eines Zeitraffers:
Man benötigt eine Kamera mit Intervallfunktion und/oder einen Fernauslöser mit Timerfunktion, um z.B. alle fünf Sekunden ein Foto zu machen. Wichtig dabei ist, dass Weißabgleich, Fokus und Belichtungszeit einmal eingestellt und dann nicht mehr verändert werden. Beachtet man diese Regeln nicht, macht sich das später in hässlichem Lichtflackern bemerkbar.
Anschließend werden die Bilder in Lightroom importiert, das erste Foto beliebig bearbeitet und diese Einstellungen auf alle Bilder synchronisiert. Um eine Film-Datei exportieren zu können, muss man sich die Diashow-Vorlagen von Gunther Wegner herunterladen, die Lightroom erst dazu bringen, schnelle und hochauflösende Videos zu erstellen. Danach steht einem Zeitraffer-Filmvergnügen in hochauflösenden 1080p oder auch in 720p nichts mehr im Wege!
Hier findet ihr die ausführliche Erklärung von Gunther.
Wem das noch nicht reicht, bekommt dann mit LR-Timelapse ein geniales Programm zur Seite gestellt, um mehr Pepp in die Filme zu bringen.
Neben Zoom- und Bewegungseffekten bietet LR-Timelapse auch viele weitere Möglichkeiten der Animation. Es lassen sich z.B. Parameter über die Zeit verändern: man könnte einen sehr warmen Weißabgleich zu Beginn eines Zeitraffer-Videos über die Dauer auf einen sehr kalten wechseln lassen.Den Unterschied sieht man in folgendem zusammengesetzten Screenshot (links ohne Animation, rechts mit):
Auch hier möchte ich nur in Kurzfassung die Schritte erklären. Hat die Kamera alle Bilder fertig aufgenommen, werden diese normal in Lightroom importiert. Wieder bearbeitet man das erste Foto nach Belieben – der Unterschied zur einfachen Variante ist, dass man zusätzlich auch das letzte Bild der Serie so verändern kann, wie der Film enden soll. So könnte man neben dem Weißabgleich auch die Belichtung anpassen oder mit dem Beschnittwerkzeug den Ausschnitt ändern. Im ersten und letzten Bild werden schlussendlich nur die Metadaten per STRG/CMD-S gespeichert und der Ordner mit den Sequenzdateien in LR-Timelapse geladen.
Dort ist es dann per Knopfdruck möglich, die Zwischenschritte berechnen zu lassen, um einen harmonischen Übergang der Einstellungen vom ersten zum letzten Bild zu generieren. Das geniale an der Sache ist, dass LR-Timelapse nur die Metadaten verändert und somit die eigentlichen Bilddateien nicht einlesen muss. Nach dem Anwenden der Animation speichert man wieder die Metadaten und wählt in Lightroom den Befehl “Metadaten aus Dateien lesen”. Sofort sieht man in der Rasteransicht, wie sich die Dateien in ihrer Darstellung vom ersten zum letzten Foto optisch verändert haben. Der Filmexport funktioniert dann wie bereits oben beschrieben.
Auch hier der Link zum Download und zur Anleitung des Programms von Gunther.
Was man mit LR-Timelapse unter anderem erreichen kann, seht ihr in folgendem spektakulären Video von David Coiffier:
Pixel’s Revenge timelapse showreel from David Coiffier on Vimeo.
Zusätzlich habe ich die Chance genutzt und Gunther drei Fragen zu LR-Timelapse und die Zukunft von Lightroom gestellt.
Lightroom-Blog: “Was gibt es zur Entstehungsgeschichte von LR-Timelapse zu sagen?”
Gunther Wegner: “Seit Lightroom 3 gibt es die Möglichkeit Diashows zu exportieren. Schnell entwickelte sich die Idee, die Diashows so schnell ablaufen zu lassen, dass man Zeitraffer-Filme erstellen kann. Da Lightroom dies eigentlich nicht vorsieht, benötigt man dafür spezielle Templates, sie stehen auf meiner Seite zum Download.
Beim Experimentieren stellte ich fest, dass es bei vielen Aufnahmesituationen sinnvoll sein kann, Entwicklungsparameter wie den Weißabgleich oder die Belichtung sukzessive zu verändern, also quasi über die Zeit zu animieren. Gerade bei Sonnenauf- und untergängen verändert sich das Licht doch sehr stark, so dass hier solche Manipulationen extrem sinnvoll wären. Auch den Beschnitt wollte ich animieren, um so Kamaerafahrten ohne Qualitätsverlust realisieren zu können. Leider gab es hierfür im Web noch keine Lösung außer einen rudimentären Ansatz mithilfe eines Scriptes, welches allerdings nicht funktionierte. So bekann ich ein eigenes Werkzeug dafür zu programmieren. Als Student habe ich eine Zeitlang als Programmierer gearbeitet und konnte nun meine Kenntnisse wieder hervorholen.
Das Programmieren machte Spaß: aus 4 Parametern wurden ganz viele, außer RAW-Dateien kamen auch JPGs dazu, die Oberfläche wurde hübscher, eine Anzeigemöglichkeit für Bilder, Beschnitt, Histogramme kam dazu. Die letzte und wohl am zeitaufwändigsten zu programmierende Funktion war dann wohl das mit Version 1.0 eingeführte “Deflicker”. Dieser Algorithmus analysiert die Helligkeitsverteilung jedes einzelnen Bildes oder eines Ausschnitts und gleicht diese an einen geglätteten Durchschnittswert an. Hierdurch kann man das bei den meisten Zeitraffern unvermeidliche Flackern deutlich reduzieren wenn nicht gar eliminieren. Bisherige Lösungen dafür sind sehr teuer und greifen in der Regel erst im fertigen Video. LR-Timelapse wendet die Korrekturen hingegen direkt auf das Quellmaterial an.”
Lightroom-Blog: “Welche Features würdest du in Zukunft gerne noch einbauen?”
Gunther Wegner: “Derzeit prüfe ich, ob eine DNG Unterstützung möglich ist. Im Moment bewährt sich LR-Timelapse gerade in der Praxis. Gerne nehme ich Anregungen der User auf und bedanke mich auch ganz recht herzlich bei allen Beta-Testern und Unterstützern.”
Lightroom-Blog: “Welche Features würdest du allgemein gerne in Lightroom 4 sehen?”
Gunther Wegner: “Gute Frage: ganz spontan ärgere ich mich zum Beispiel immer wieder darüber, dass nicht alle Video-Dateien unterstützt werden. MP4 und MOV Dateien importiert Lightroom anstandslos, MTS Dateien lässt es links liegen. Hier muss man dann höllisch aufpassen, dass man daran denkt, diese händisch zu kopieren und nicht einfach die Speicherkarte formatiert.
Weiterhin würde ich mir wünschen, dass das Tagging der Fotos vereinfacht würde. Z.B. eine Gesichtserkennung, die bei Picasa und Co. schon länger selbstverständlich ist, würde gerade auf dem privaten Bildarchiv Sinn machen. Ebenso würde ich mich über ein besseres, integriertes Geotagging freuen.
Und aller Wünsche sind drei: Die Möglichkeit, schnell und unkompliziert Fotobücher mit dem Druckmodul wäre eine super Ergänzung und würde auch hier mit dem Mitbewerb gleichziehen.”
Lightroom-Blog: “Vielen Dank für diese aufschlussreichen Antworten!”
Wenn ihr noch Fragen habt, nur her damit!
Viele Grüße,
Christian

