Die unwichtigste Funktion Lightrooms?
Hallo zusammen,
mit einem etwas provokanten Titel möchte ich euch heute eine Funktion in Lightroom vorstellen, die wohl die wenigsten kennen oder überhaupt jemals bemerkt haben: der Spiegelbildmodus.
Vor einigen Wochen bin ich auf der Suche nach neuen Themen für den Blog mal alle Menüpunkte Lightrooms durchgegangen und bei einem hängen geblieben. Ich sag’s euch ganz ehrlich, ich hatte im ersten Moment mal absolut keine Ahnung, was der Spiegelbildmodus für eine Bedeutung hat. Zu finden ist er übrigens im Bibliothek-Modul unter dem Menüpunkt “Ansicht – Spiegelbildmodus aktivieren”.
Ok, was nach einem Klick passiert, dürfte nicht schwer zu erraten sein – die Bilder werden horizontal gespiegelt angezeigt. Das betrifft übrigens alle Bilder und kann nicht nur auf bestimmte markierte Fotos angewendet werden. Wichtig zu wissen ist, dass die Spiegelung nur optisch passiert, die Bilder aber unverändert bleiben! Wechselt man zum Beispiel in das Entwickeln-Modul, wird man schnell bemerken, dass ein ungespiegeltes Bild zur Bearbeitung vorliegt. Ein Schritt zurück zur Bibliothek, und auch hier ist der Modus wieder automatisch deaktiviert.
Gut, wo liegt also der Sinn oder ist der Spiegelbildmodus nur ein Feature ohne Anwendungszweck?
Recherchiert man im Internet ein wenig, findet man in Diskussionsforen die einhellige Meinung vor, dass der Modus hauptsächlich für Porträt- und Hochzeitsfotografen gedacht ist. Eigentlich eine große Zielgruppe, aber dennoch ist es zweifelhaft, ob die Funktion oft benutzt wird. Der Modus soll der abgelichteten Person bei der Auswahl der Fotos in Lightroom helfen – angeblich gibt es Menschen, die nur ihr Spiegelbild gewohnt sind und sich bei der Betrachtung von Fotos komisch fühlen.
Ich halte dieses Argument für seltsam und kann weiterhin keinen Sinn in der Funktion erkennen. Sucht ein Modell seine Bilder im Spiegelbildmodus aus, sollte der Fotograf das Foto natürlich auch tatsächlich spiegeln (Menüpunkt “Foto – Horizontal spiegeln”), sonst macht die ganze Aktion ja keinen Sinn. Eine Spiegelung wiederum kann je nach Lichtsituation und Schrift im Bild gehörige Probleme und logische Fehler verursachen.
Aber, liebe Lightroom-Blog-Leser, vielleicht habt ihr DAS ultimative Argument für den Spiegelbildmodus?
Ich bin gespannt!
Viele Grüße,
Christian

11.02.2011 um 11:34
es gibt m.m.n. noch einen anderen grund.
ich betreibe ausser der fotografie auch malerei und ein wichtiges hilfmittel ist ein hand- oder taschenspiegel (hat uns unser prof an der kunstakademie mal nahegelegt).
wenn man ein bild ab und zu im spiegel betrachtet (eben wie in LR horizontal gespiegelt), ist es ein anderes bild, bei dem man nun vor allem die komposition neu beurteilen muss/kann. vor allem, wenn man länger an ein und der derselben sache arbeitet, wird man auch mal betriebsblind. der spiegel hilft da sehr.
bei gesichtern hingegen fällt mir nur eine eiserne regel ein: niemals spiegeln! die beiden gesichtshälften sind nunmal nicht gleich. wer geflippt wird, ist mehr oder weniger nicht mehr derselbe mensch ;-)
lg
tb
13.02.2011 um 10:33
Guten Morgen zusammen!
Die Funktion Spiegelbild war für bislang sowas von interessant, dass ich nicht mal wusste, dass es Sie gibt!
Ich werde diese Information schnell wieder vergessen und meinen Speicher oberhalb des Halses wieder etwas frei machen für ein paar nützliche Dinge!
Wenn du aber mal was gefunden hast, mit der sich die Funktion wirklich auch sinnvoll nutzen lässt, habe ich dafür immer ein offenes Ohr…
Derzeit will mir dazu nix Konstruktives einfallen, aber wenn mir ein Geistesblitz zum Spiegelbild kommt, lasse ich es dich wissen!
Beste Grüße
Sascha
14.02.2011 um 09:28
Da aknn ich mich Sascha nur anschließen. Wusste bis eben auch nicht das es so eine Funktion überhaupt gibt. Und wenn ich etwas spielgen will dann mach ich es richtig ;)
16.02.2011 um 00:46
Zum Spiegelbildmodus
Hallo zusammen,
in Lightroom (Version 3.3) befinden sich die Befehle ‚Horizontal spiegeln‘ und ‚Vertikal spiegeln‘ auch unter dem Menüpunkt ‚Foto‘ im Entwickler-Modul. Es sind unverzichtbare Werkzeuge der Bildgestaltung.
Grund:
Sehgewohnheiten werden durch die Schreib- und Lesegewohnheiten geprägt. In unserem Kulturkreis bedeutet das, wir sehen uns ein Bild unbewusst von links nach rechts an. Desgleichen fördert die Erziehung im Straßenverkehr diesen Betrachtungsablauf (Erst links, dann rechts schauen, bevor die Straße überquert wird).
Infolge dieser Sozialisation sehen wir von links nach rechts „schneller“. Das bedeutet, wir empfinden die Bewegungsgeschwindigkeit höher, wenn in einem Foto eine Bewegung von links nach rechts dargestellt wird. Interessant ist, dass diese Assoziation des Betrachters auch bei „nicht“- körperlichen Bewegungen wahrnehmbar ist. Beispiel: Bei der Abbildung zweier Personen wird eine Drohgebärde der linken Person stärker empfunden, als die der rechten Person.
Die Entscheidung „links-rechts“ oder „rechts-links“ ist ebenso bei der Seitengestaltung (Composing oder Layout) wichtig. Da kann es schon mal passieren, dass ich eine Person deshalb spiegeln muss, damit sie nicht über den Seitenrand läuft.
Diese Diskussion ist ziemlich akademisch. Man muss mit den Bildern einfach „spielen“ und immer wieder neue Varianten ausprobieren. Dazu gehört unbedingt das spiegeln, so wie wir es von jeder Skatkarte kennen. Zu diesem Zweck ist ‚Lightroom‘ ein unglaublich gutes Werkzeug!
Viele Grüße, Simplicius.
28.02.2011 um 16:13
@Simplicius:
Auch wenn es ein bißchen spät dafür ist, nur.. ähhh… Wie der Autor schon meinte, wenn ich WIRKLICH spiegeln will, muss ich das ja quasi dem “Entwicklungsrezept” von Lightroom mitteilen, aber die hier beschriebene Option aktiviert das ja nur für die Ansicht.. dass macht es noch rätselhafter, was die Sinnhaftigkeit angeht, da ja die Fotos ohne weitere Maßnahmen trotzdem wieder mit der “normalen” Seitenrichtigkeit entwickelt werden….
Scheint irgendwie eine Funktion zu sein, die “auf vielfachen Wunsch eines Einzelnen” implementiert worden ist und der einen sehr guten Draht zur Entwicklercrew/Chefetage/WenAuchImmerBeiAdobe hat… ansonsten sind es ja gerade solche Optionen, die in der Prioritätsliste zur Umsetzung gaaaaaaanz weit unten abgelegt werden.