Ein Bild von A bis Z – Konzert
Hallo zusammen,
Da ich öfters angesprochen werde bezüglich Bildbearbeitung in Lightroom habe ich mir gedacht eine neue Kategorie ins Leben zu rufen die da heißt: “Ein Bild von A bis Z”. Hier möchte ich ab und an einfach mal eine Aufnahme aus dem fotografischen Alltag nehmen und eben von A bis Z bearbeiten und dokumentieren. Ich hatte ja schonmal eine Beauty Aufnahme bearbeitet, und so in diesem Stil soll das ganze dann immer mal wieder das ein oder andere Bearbeitungsbeispiel hervorbringen. Heute geht es um eine Konzertaufnahme.
Vor nicht allzu langer Zeit war ich Gast eines Workshops von und mit Martin Black – die Werbung sei mir erlaubt: Prädikat empfehlenswert! Das erste mal durfte ich bei einem Konzert aus dem Konzertgraben raus fotografieren. Super interessant, aber die Lichtverhältnisse waren Grenzwertiger als Grenzwertig. So habe ich mir vorgenommen mit der Lightroom Entwicklung noch das ein oder andere aus den Bildern zu holen, und eben eins dieser Bilder möchte ich mit Euch zusammen bearbeiten.
Schauen wir uns vorab mal das Original RAW an wie es aus der Kamera kam. Übrigens handelt es sich um den Sänger der Gruppe Combichrist, aufgenommen beim 37. Dark Dance Treffen in Lahr …

Durch den Nebel ist das Bild recht kontrastarm, “flach”, zudem etwas “duster”. Diesen Punkte wollen wir mal aufgreifen und uns den ersten Reglern in den Grundeinstellungen widmen:
- Temperatur wird leicht angehoben um etwas mehr Wärme ins Bild zu bringen.
- Die Belichtung leicht nach unten korrigiert .. – 0,15
- Die hellen Stellen im gesicht, auf der Hand sind noch sehr dominant, daher die Wiederherstellung angehoben .. + 20
- Um durch die Belichtungskorrektur nicht zu viel in den dunklen Bereichen zu verlieren, das Aufhellicht leicht angehoben .. + 7
- Der Nebel ist in meinen Augen das größt störende Element im Bild, am besten ließ sich dieser mit dem Schwarz Regler minimieren. Bei normalen Aufnahmen überschreitet er meist nie die Marke von + 5, hier allerdings kriegen wir einen ungeheueren “Pep” ins Bild, wenn wir ihn kräftig anheben. + 35 (!)
Allein diese Einstellungen verändern unser Bild schon enorm, oder?

Gehen wir weiter …
- Mit der Helligkeit bin ich zufrieden, Kontrast schadet meiner Meinung nach bei solchen Aufnahmen nie .. + 45
- Klarheit brachte auch nochmal einen kleinen “Kick” .. + 40
- Und Dynamik ist sowieso einer meiner Lieblingsregler .. + 40
Ein weiteres Zwischenergebnis …

Das Bild wurde mit ISO 2000 gemacht, somit ist Bildrauschen natürlich unvermeidbar. Als nächstes also widmen wir uns mal den Details. Um besser zu erkennen was passiert, folgen Screenshots in der 100% Ansicht. Um das Rauschen besser beurteilen zu können schalte ich immer die Schärfe-Funktion aus – Schärfen, Betrag .. 0 …

Rauscht doch schon “ganz schön” – machen wir uns an das Entrauschen …
- Luminanzrauschen erhöhen bis das Rauschen minimiert ist ohne zu viel Details zu verlieren .. + 45
- Details gewinnen wir wieder indem wir den Details Regler verwenden .. + 80
- Der Kontrast Regler brachte hier keine Verbesserung meiner Meinung nach .. 0
- Die Farbrauschen Standardeinstellung von + 25 war zuviel des Guten, diese habe ich reduziert .. + 15
- Die Details im Farbrauschen blieben auf .. + 50

Das Bild ist entrauscht und nun können wir wieder versuchen etwas Schärfe zu gewinnen …
- Als erstes reduziere ich meist den Radius um “feiner” schärfen zu können .. 0,7
- Danach den Betrag erhöhen, bis wir Schärfe gewinnen, aber nicht zu hoch, sonst schärfen wir das Rauschen und verstärken es somit wieder .. 70
- Details lassen sich auch welche gewinnen .. 45
- Mit dem Maskieren Regler sagen wir Lightroom es soll sich mehr um “Kanten” als um “Flächen” kümmern .. 55
- Tip am Rande: ALT-Taste beim verändern der Werte drücken, dann sehen wir wunderbar wie stark wir und was wir schärfen!

Kommen wir zum Finale! 99% meiner Bilder bekommen zu guter letzt noch eine Vignette. Also das Effekte Panel geöffnet und …
- Betrag reduziert, hier allerdings nicht allzu viel, so sonst gleich unschön aus .. – 15
- Mittelpunkt habe ich auch reduziert .. 30
- Die Rundheit ein wneig angepasst .. -30
- Die Weiche Kante ein wenig weicher gestaltet .. 75
- Und die wenigen Lichter die wir haben möchten maximal geschützt werden .. 100
Somit haben wir unsere finale Version! Zum besseren und schnelleren vorher / nachher Vergleich direkt im Anschluss nochmal unser Original!

Ich hoffe diese Exkursion in die Konzertbilder-Lightroom-Bearbeitung hat Euch Spaß gemacht. Selbst wenn man jetzt keine Konzerte fotografiert, so lassen sich evtl. die ein oder anderen Bearbeitungsschritte auf andere Bilder umsetzen. Dann wünsche ich Euch viel Spaß beim Ausprobieren an Euren Bildern!
Fragen? Fragen!
Gruss, Micha …
31.03.2011 um 09:02
Hallo Micha…
Schönes Ergebnis präsentierst du hier…
Ich bin ja des Öfteren im Pressegraben auf der Jagd nach guten Fotos von Konzerten und bin mit der Problematik ISO-Rauschen etc sehr vertraut…
Ich entwickel die Bilder jedoch nicht in Lightroom muss ich gestehen sondern erledige dies im Adobe Camera Raw mit einer doppelten Raw-Konvertierung…
Das hat sich bei mir so eingebrannt, dass ich damnit in null komma nix durch bin…
Dem Hintergrund verpasse ich dabei erheblich mehr Dynamik und nehme die Klarheit raus.
Das lässt sich zwar wunderbar mit dem Korrekturpinsel lösen, aber mit Ebenenmasken an den unterschiedlichen Entwicklungen aus ACR heraus geht das für mich einfacher…
Ist alles Gewohnheitssache…
Erklärt hast du diesen Vorgang aber wieder einmal perfekt und leicht nachvollziehbar!
Wann kommt denn dazu mal ein Buch oder ein Video2Brain von dir???
Beste Grüße
Sascha
31.03.2011 um 09:50
Well done! …und gut erklärt. Das kann bei einem anderen Bild wieder ganz anders aussehen, aber das Prinzip ist hier gut rüber gekommen. Vielen Dank.
lg Peter
31.03.2011 um 10:00
Würde gern mal Konzerte fotografieren :) Danke fûr die Tipps , jetzt bin ich gut vorbereitet für dunkle Aufnahmen bei schlechtem Licht !