Markierung vs. Bewertung vs. Farbbeschriftung

20.05.2011 Gepostet in Allgemein, Lightroom

Hallo zusammen,

Matt Kloskowski hat in seinem letzten Blogeintrag über den Unterschied zwischen Markierungen und Bewertungen geschrieben. Da ich erstens dieses Thema selbst sehr wichtig finde und zweitens interessiert bin, wie ihr denn damit umgeht, ist dieser Artikel den drei Kennzeichnungsmöglichkeiten Markierung, Bewertung und Farbbeschriftung gewidmet.

Kurz das Theoretische:
Markierungen bieten drei Attribute an. Markiert | Unmarkiert | Abgelehnt
Bewertungen bieten fünf Attribute an. 1 Stern bis 5 Sterne
Farbbeschriftungen bieten fünf Attribute und zwei Sonderfälle an: Rot, Gelb, Grün, Blau, Violett, Benutzerdefiniert, Ohne

Wann macht jetzt welche Kennzeichnung Sinn?

Das ist natürlich Geschmackssache und jedem selbst überlassen. Allerdings kann man sich in der täglichen Praxis auch selbst ein Bein stellen, wenn man zu viel über die Kennzeichnung nachdenken muss.

Ein Negativ-Beispiel: Aus einem Shooting mit 400 Bildern sollen die schlechten einen, die durchschnittlichen zwei, die halbwegs brauchbaren drei, die guten vier und die sehr guten fünf Sterne bekommen. Abgesehen davon, dass diese fünf Auswahlmöglichkeiten schon beim Kennzeichnen der 400 Bilder aufhalten (“Ist das Bild jetzt 1 oder 2 Sterne wert?”), erweisen sie sich auch später als relativ sinnlos. Fakt ist: Die 1 und 2 Sterne-Bilder sind so schlecht, dass sie entweder gleich gelöscht oder aber niemals jemandem gezeigt werden sollten. Die sehr guten und guten sollen auf jeden Fall behalten werden und können bedenkenlos hergezeigt werden. Und die mit drei Sternen bewerteten Fotos? Tja, hier ist guter Rat teuer, diese Bilder liegen meistens auf der Festplatte und werden nie wieder beachtet.

Besser: Nur Markierungen nehmen! Die schlechten Bilder werden abgelehnt, die guten und mittelmäßigen (nur solche, die einen persönlichen Wert haben!) behalten und die sehr guten extra gekennzeichnet. Mit dieser Methode ist man automatisch strenger mit sich selbst und kommt auch wesentlich schneller voran. Außerdem ist sichergestellt, dass wirklich nur die sehr guten Bilder eine Markierung erhalten und dann z.B. ins Portfolio übernommen werden. Beim 400-Fotos-Beispiel könnte das also so aussehen: 212 Bilder sind schlecht, verwackelt oder doppelt –> ABGELEHNT. 176 Fotos sind in Ordnung und können für ein Album oder spätere Projekte brauchbar sein –> UNMARKIERT. 12 Fotos sind ausgezeichnet und können für das eigene Portfolio oder sonstige wichtige Zwecke verwendet werden –> MARKIERT. Übrigens: Wie man Bilder schnell markiert, habe ich in diesem Beitrag beschrieben.

Damit hätten wir mal den Sinn der Markierung erläutert.

Wann benötigt man die Bewertung und Farbbeschriftung?

Die Farbbeschriftung kann für die unterschiedlichsten Zwecke benutzt werden, für eine Bewertung eignet sie sich aber nicht wirklich. Ich persönlich nutze sie, um Belichtungsreihen und Panorama-Einzelbilder mittels blauer bzw. grüner Farbe zu kennzeichnen, um sie bei Gelegenheit schnell zu finden und bearbeiten zu können. Von anderen Personen habe ich schon gehört, dass sie die Farben dazu verwenden, um verschiedene Bearbeitungsphasen anzugeben: unbearbeitet, nicht verschlagwortet, fertig, etc. Auch beliebt ist das Kennzeichnen von Schwarzweiß- oder Sepiafotos. Ihr seht, der Fantasie ist hier keine Grenze gesetzt.

Der Praxiseinsatz von Bewertungen ist da schon etwas schwieriger herauszufinden. Ich selbst nutze sie nicht, um die Wertigkeit eines Fotos zu beschreiben, sondern als Markierung für bestimmte Zwecke. 1 Stern bekommt bei mir ein Foto, wenn ich mehrere Projekte bearbeite und mitten in einem Shooting mit der Entwicklung aufhören muss. Zu einem späteren Zeitpunkt kann ich so leicht feststellen, ab welcher Stelle ich weiterarbeiten muss. 2-5 Sterne gibt es für Bilder, die entweder gedruckt, in ein Webalbum oder für einen Kunden zusammengestellt werden sollen.

Und jetzt bin ich gespannt: Welche Kennzeichnung nutzt ihr für welchen Zweck? Ich hoffe auf viele Antworten!

Viele Grüße,

Christian

4 Kommentare zu “Markierung vs. Bewertung vs. Farbbeschriftung”

  1. Daniel schreibt:

    Hallo Christian

    Interessanter Beitrag! Ich verfahre fast genauso.

    Vielleicht ein zusätzlicher Tip: Den Bibliotheksfilter/Atribut stelle ich auf “Nur markierte und unmarkierte Bilder anzeigen” somit verschwinden abgelehnte Bilder sofort aus der Ansicht. Wenn man sie dann löschen möchte CMD+Backspace (Mac) und sofort sind sie weg. Somit hat man sich sogar noch eine Art zweiten Papierkorb geschaffen.
    Je nach Stern geht dann die weitere Bearbeitung.

    VG
    Daniel


  2. Rene schreibt:

    Bewertung als “Qualitätseinschätzung” 0=persönliche und mittelmässige, 3=gut, 5=hervorragend. Zwischenstufen werden nur in besonderen Umständen eingesetzt zB Zusammenarbeit mit anderen Fotografen, Markierung für besondere Verwendung….

    Farbeschriftung als Verwendungszweck und Nachweis zB blau=Web und sonstige Veröffentlichung, violett=Panofotos, HDR und ihre Einzelbilder, rot=zum löschen vorgeschlagen,….

    Markierung zum schnellen aussortieren bzw. löschen. Markierte Fotos zum schnellen finden und Markierung für Nachbearbeitung.

    Das wärs mit meiner Handhabung.


  3. Misterlightroom schreibt:

    Hallo Lightroom – Blog.

    Vielen Dank für diesen (wieder mal) informativen Beitrag.

    Zu diesem Zeitpunkt wurde er 168 mal gelesen und “nur” zweimal kommentiert.
    Deshalb schreibe ich nun meinen ERSTEN Kommentar:

    Markierungen nutze ich für individuelle Projekte, z.B. um Fotos für ein Fotobuch zu markieren, Fotos die ich entwickeln lassen möchte, Fotos die ich weitergeben möchte, usw.
    Dieses mache ich in einer separaten Sammlung.
    Dazu sollte man wissen, dass in jeder neuen Sammlung neue Markierungen zugewiesen werden können, weil sie vorher automatisch entfernt werden.

    Bewertungen gebe ich “Projektübergreifend”, d.h. ich habe dabei meinen kompletten Fotobestand im Hinterkopf.
    1 Stern=Sehr gut, 2=Super, 3=Geil (darf man hoffentlich hier schreiben?) 4=Genial 5=Perfekt
    Bei dieser Vergabe bin ich sehr sparsam (4 und 5 Sterne habe ich “noch” NIE vergeben)

    Farbbeschriftungen haben bei mir folgende Bedeutung:
    GRÜN=brauchbar (Ähnlich wie “markiert”, aber nicht Projektbezogen)
    GELB=arbeitsintensiv (Foto hat Potential – muss allerdings erst “freigelegt” werden)
    ROT=unbrauchbar (Könnte gelöscht werden, wenn man Fotos löschen würde)
    BLAU=Lesezeichen (Wenn ich Fotos bewerte oder Stichwörter gebe und unterbrechen “muss”, dann markiere ich das letzte Foto blau, um zu wissen, wo ich später weitermachen “muss”.)
    LILA=”noch” Frei (1. weil die Farbe kein Tastaturkürzel hat; 2. weil ich so noch eine Farbe frei habe, falls mir noch ein weiterer Verwendungszweck einfällt)

    Der Vorteil von Bewertungen und Farbbeschriftungen ist der, dass sie in die Metadaten geschrieben werden, so dass man darauf auch außerhalb von Lightroom zugreifen könnte – was natürlich keiner von uns möchte, aber man weiß ja nie…
    ;-)

    Viele Grüße,

    Ralf


  4. Alex-K schreibt:

    Danke für diesen schönen und wirklich hilfreichen Blog.

    Ich habe seit einem Jahr öfter fotografisch auf Hochzeiten und Events zu tun und mir folgende Arbeitsweise angewöhnt:

    Ich benutze zum Bewerten generell nur 3 oder 5 Sterne.
    Im Ersten Durchgang bewerte ich alle Bilder, die meines Erachtens sehenswert sind und die der Kunde später auch bekommt mit 3.
    Im zweiten Durchgang werden aus den Selektierten Bilder die Top 20 oder Top 50 gewählt, welche dann auch noch mal eine zusätzliche Bearbeitung erhalten.

    Über die Farben steuere ich dann den Bearbeitungsstand. Da die 5 Sterne-Bilder dann noch in Phosotop zum Finetuning gehen, was sich über mehrere Abende erstrecken kann, markiere ich dann alle fertigen Bilder mit grün.
    Sollte ich mit einem Bild nicht fertig geworden sein und es am nächsten Tag weiter bearbeitet werden muss, wird es orange markiert.

    Ebenso verwende ich am Anfang, wenn ich die Entwicklung in LR noch vornehme Orange zum Markieren des Bildes, an dem ich zu letzt gearbeitet habe, damit ich am nächsten Tag weiss, wo ich weiter machen muss.

    Gruß,
    Alex


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