Verzerrungen manuell korrigieren

8.07.2011 Gepostet in Allgemein, Lightroom

Hallo zusammen,

je nach Objektiv und gewählter Perspektive bei der Aufnahme sind wir Fotografen mit stürzenden Linien oder verzerrten Gesichtern konfrontiert. Seit Lightroom 3 gibt es zwar Objektivprofile, die solche Probleme automatisch korrigieren sollen – doch allzu gerne vergisst man aus Bequemlichkeit, dass diese Korrekturen nicht immer der Weisheit letzter Schluss sind.

Erst vor kurzem war ich wieder einmal gezwungen, zwei Fotos mit offensichtlichen Problemen zu bearbeiten. Das eine Bild weist dabei stark stürzende Linien durch die Perspektive auf, im anderen Foto leidet die dargestellte Person unter extremer Verzerrung durch die Nähe zum Bildrand und das verwendete Objektiv. Sehen wir uns die manuelle Korrektur deshalb anhand dieser beiden Beispiele im Detail an.

Problem 1: Stürzende Linien

Das Foto der New Yorker Skyline in der Dämmerung wirkt spektakulär, allerdings stören die stürzenden Linien den Eindruck enorm. Diese sind dadurch entstanden, da ich die Kamera bei der Aufnahme etwas nach unten geneigt habe.

Aktiviere ich die Objektivkorrekturen, erfolgt eine erste Besserung, die anhand der verwendeten Kamera und des Objektivs automatisch berechnet und angewendet wird. Wer sich fragt, warum ich die Vignettierung auf 50 stehen habe: in der automatischen Einstellung 100 werden für meinen Geschmack die Ecken zu stark aufgehellt.

Um jetzt aber wirklich das Problem der stürzenden Linien in den Griff zu bekommen, muss ich manuell eingreifen. Dazu wechsle ich mittels Klick auf “Manuell” zu den Einstellungen und verschiebe den Regler “Vertikal” solange, bis die Gebäudekanten und vor allem das Empire State Building gerade sind und das wiedergeben, was ich auch in Erinnerung habe. Die Option “Zuschnitt beschränken” bewirkt übrigens, dass Lightroom nach der Verzerrung keine leeren Stellen überlässt, sondern sofort das Bild auf den sichtbaren Bereich zuschneidet.

Problem 2: Verzerrtes Gesicht

Die zweite Aufnahme ist in der Bärenschützklamm in der Steiermark/Österreich zur Erinnerung entstanden. Da neben der Person auch die Klamm abgebildet werden sollte, musste ich aus Platzgründen eine Komposition wählen, in der die Person am Bildrand platziert ist. Mit einer Vollformatkamera und dem Canon 17-40mm-Objektiv sind hier extreme Verzerrungen am Bildrand leider vorprogrammiert.

Ich aktiviere wiederum die automatische Korrektur, welche das verzerrte Gesicht aber nur minimal verbessert.

In den manuellen Einstellungen kommt diesmal der Regler “Verzerrung” zum Einsatz, der eine tonnen- bzw. kissenförmige Verzerrung ausgleicht. Wieder ziehe ich so lange, bis der optische Eindruck passt. Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut man solche, im ersten Moment schwierig anmutende Probleme mit Lightroom in den Griff bekommt!

Habt ihr noch Fragen?

Viele Grüße,
Christian

5 Kommentare zu “Verzerrungen manuell korrigieren”

  1. Jochen schreibt:

    Für mich als LR3-Einsteiger sind diese kleinen Anleitungen und Tipps “Gold wert”. Danke vielmals für die Arbeit, diese Artikel zu erstellen!

    LG vom Jochen


  2. schmicha schreibt:

    Schöne Anleitung und verständlich erklärt.
    Beim zweiten Bild sieht man gut, dass es sich lohnt da Zeit zu investieren.

    Beim ersten Bild finde ich den Effekt übertrieben und man sollte je nach Foto dezent vorgehen. Würde mir jemand das erste Bild so zeigen wäre mein erster Gedanke… boohh.. wieder so ein Versuch immer alles parallel zu bekommen.

    Wenn jemand mal eine Herausforderung sucht, der entzerrt mal folgendes Bild: http://www.housemaintain.com/wp-content/uploads/2010/04/design-of-the-Stylish-Bathroom-Natural-1.jpg :-)


  3. Misterlightroom schreibt:

    Hallo,

    Vielen Dank.
    Sehr verständlich erklärt – wie immer.

    Da bleiben keine Fragen offen …

    Viele Grüße,

    Ralf


  4. herb maier schreibt:

    Hallo,

    gibt es eine Möglichkeit, das Raster, das beim Bewegen der Schieberegler eingeblendet wird, zu verändern?

    Gerade bei Architekturaufnahmen ist das Raster mal zu grob, mal zu weit.

    Danke für den tollen Blog!
    LG, Herb


  5. Christian Öser schreibt:

    Hallo Herb,

    das Raster lässt sich leider nicht wie in Photoshop verändern. :(

    Viele Grüße,
    Christian


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