Ein Bild von A – Z: Natur
Hallo zusammen,
im vierten Teil der “Ein Bild von A – Z”-Serie geht es weiter mit einer Naturaufnahme. Ich habe bewusst keinen “Reißer” als Beispielbild ausgewählt, da auch bei alltäglichen Fotos oft starke Bearbeitungen vorgenommen werden müssen – im vorliegenden Fall der Himmel.
Hier seht ihr das Vorher und Nachher:
Kurzanalyse:
Das Bild weist in den Tiefen keine verlorenen Details auf, in den Lichtern allerdings sehen wir einige ausgerissene Stellen. Dank der Nutzung des Raw-Formats lässt sich hier aber bis auf eine kleine Stelle noch alles retten! Für die Naturliebhaber unter euch: Ihr seht auf dem Foto die Raggaschlucht in Kärnten. Wenn ihr ganz genau hinblickt, könnt ihr im Spalt die Stege erkennen, auf denen man dem wilden Wasser folgt und schlussendlich auf einem Hochplateau ankommt, wo sich einem dieser Ausblick anbietet.
Schritt 1:
Ich weise in der Kamerakalibrierung “Camera Landscape” zu. Die Grün- und Blautöne werden daraufhin besonders betont.
Schritt 2:
Ich aktiviere die Objektivkorrekturen, stelle aber die Regler für Verzerrung und chromatische Aberrationen sofort auf null, damit ich das Bild weiterhin flüssig bearbeiten kann. Die Vignettierung setze ich auf 50 und im Reiter “Manuell” (nicht im Screenshot sichtbar) aktiviere ich “Alle Kanten”, damit an besonders hellen Kanten erscheinende violette Ränder entfernt werden.
Schritt 3:
Dann folgen bereits die allgemeinen Änderungen im Grundeinstellungen-Panel. Die Belichtung erhöhe ich so weit, bis mir der vordere Bereich gefällt. Dass der Himmel dabei ausreißt, interessiert mich zu diesem Zeitpunkt nicht. Weiter ändere ich den Weißabgleich und erhöhe den Kontrast, die Klarheit und Dynamik.
Schritt 4:
Jetzt geht es um das Zurückholen des Himmels mit dem Verlaufsfilter. Ich ziehe einfach mal von oben Richtung Mitte und ändere die Belichtung ins Negative. Der Himmel soll zwar dramatisch, aber nicht zu dunkel werden. Deshalb kann ich die Belichtung nicht zu stark absenken und muss einige helle Stellen noch ignorieren, dazu aber gleich im nächsten Schritt! Da das Blau zu stark gesättigt ist, verringere ich zusätzlich die Sättigung.
Schritt 5:
Mit dem Korrekturpinsel, einer großen Pinselspitze mit maximal weicher Kante und nicht zu hohem Fluss male ich vorsichtig in den vier zu hellen Stellen Details zurück – die Belichtung liegt dabei bei -1,57. Nicht zu vermeiden ist, dass auch umliegende Stellen beeinflusst und zu dunkel werden. Das lässt sich aber schon während des Malens ganz einfach korrigieren: haltet einfach die Alt-Taste gedrückt und malt mit dem nun aktiven Radiergummi und sehr geringem Fluss diese Stellen wieder langsam weg. Ich habe dem Korrekturpinsel übrigens auch die Farbe Blau zugewiesen, da die korrigierten Stellen zu grau erschienen und sehr auffällig waren.
Schritt 6:
Durch den Einsatz des Verlaufsfilters sind leider auch die Baumwipfel auf beiden Seiten abgedunkelt worden, was mir nicht gefällt. Deshalb erstelle ich einen zweiten Korrekturpinsel und helle diese Bereiche mit mittlerem Fluss leicht auf. Ich habe im Beispiel etwas schlampig gearbeitet: links hätte ich mit dem Radierer noch den Übergang von den Baumspitzen zum Himmel etwas verbessern sollen. Also, so macht man es nicht! :-)
Schritt 7:
Da mir das gesamte Blau im Himmel und den Bergen immer noch zu stark gesättigt ist und zu viel Cyan beinhaltet, ändere ich die Werte im HSL-Panel. Zum einen schiebe ich den Blauregler beim Farbton Richtung Violett und zum anderen verringere ich die Sättigung.
Schritt 8:
Jetzt soll noch mehr Dramatik in die Himmelsstruktur eingearbeitet werden. Dazu ziehe ich einen weiteren Verlaufsfilter auf, in dem nur die Klarheit auf +100 eingestellt ist.
Schritt 9:
Zum Abschluss setze ich im Objektivkorrekturen-Panel die Regler für Verzerrung und chromatische Aberrationen zurück auf 100.
Das war’s! Ich hoffe, ihr konntet wieder etwas lernen und für eure Arbeit mitnehmen. Habt ihr noch Fragen?
Viele Grüße,
Christian












5.09.2011 um 19:12
Wie einmal eine gute Umsetzung und eine gute Beschreibung. An solchen Bearbeitungen merkt man, wie mächtig Lightroom doch eigentlich ist und wie selten man Photoshop noch bemühen muss.
Beim Bild selbst erlaube ich mir etwas Kritik. Ein schöner Vordergrund ist zwar gewählt, doch verläuft er mir zu sehr mit dem Mittelfeld. Hier hätte ich noch mit einer Ebenenmaske den Vordergrund etwas abgedunkelt, um die Trennung deutlich hervorzuheben und so noch mehr Perspektive ins Bild zu bringen.
25.09.2011 um 12:36
Hallo.
Es sind doch gerade nicht die “Reißer”, aus denen man noch viel rausholen kann.
Der Vorher/Nachher Vergleich ist wirklich beeindruckend.
Sehr verständlich erklärt (wie immer).
Vielen Dank.