Lightroom und Photosmith im Praxistest
Hallo liebe Lightroom-Blogleser,
vor einigen Wochen habe ich euch über Photosmith berichtet, eine App für das iPad. Damit ist es möglich, schon während einer Zugfahrt oder im Flugzeug die zuvor erstellten Fotos zu sichten, bewerten und mit Stichwörtern zu versehen. Thomas Connertz hat sich daraufhin dankenswerterweise bereit erklärt, einen detaillierten Bericht über die Arbeit mit der App zu verfassen.
Kurz zum Autor dieses Gastbeitrags: Thomas Connertz ist seit Jahren begeisterter Reisender, Hobbykoch und Hobbyfotograf. Anlässlich einer längeren Asienreise hat er für sich das Bloggen entdeckt. Auf seiner Seite www.dreiminutenei.de kombiniert er zwei seiner Hobbies: Fotos von echten, selbst gekochten Gerichten ganz ohne Foodstyling-Tricks.
Und hier nun der Artikel:
Mobiler Workflow mit Lightroom und Photosmith
Ein iPad ist nicht nur schick, sondern auch ein praktisches Werkzeug für Fotografen. Im Urlaub bin ich mit leichtem Gepäck unterwegs, möchte aber trotzdem schon mal meine Fotos anschauen und auch mit ein paar Metadaten versehen. Dafür eignet sich das iPad mit der Photosmith-App. Meinen mobilen Workflow mit Photosmith und Lightroom möchte ich hier beschreiben.
Photosmith besteht aus zwei Komponenten: einer App für das iPad und einem Plugin, um die Daten mit dem heimischen Lightroom zu synchronisieren. Die App holt Ihr Euch im Appstore. Das Plugin müsst Ihr separat von der Photosmith-Webseite herunterladen (http://www.photosmithapp.com/index.php/plugin/). Es wird wie jedes andere Plugin auch installiert. Bei mir (Windows 7, Lightroom 3) gab es null Probleme damit.
Photosmith ist kein Bildbearbeitungsprogramm und keine mobile Version von Lightroom. Man kann Bilder anzeigen, aber weder beschneiden, noch Helligkeit oder Kontrast verändern. Wenn ich beschreibe, wie man Bilder „bearbeitet“, meine ich, wie man sie mit Metadaten versieht. Photosmith ist ein sehr gutes Werkzeug genau zu diesem Zweck.
Jetzt aber zum Workflow. Ich beschreibe, wie ich es mache – wahrscheinlich gibt es Tausend andere Möglichkeiten.
Schritt 1: Bilder auf das iPad kopieren
Mit dem Camera Connection Kit kopiere ich die Bilder von der Kamera auf das iPad. Die Bilder landen automatisch in der auf jedem iPad vorinstallierten „Fotos“-App; meine Canon Raw-Dateien werden ohne Probleme erkannt.Die Bilder lösche ich nicht von der Karte, da ich sie in einem späteren Schritt noch brauche. Außerdem habe ich so ganz nebenbei ein Backup, falls auf der Reise mal etwas verloren geht. Normalerweise mache ich das ein- oder zweimal am Tag. Die „Fotos“-App erkennt, welche Bilder schon vorhanden sind.
Schritt 2: Bilder in Photosmith importieren
Sobald ich Lust und Zeit habe, die Bilder zu bewerten und mit Metadaten zu versehen, öffne ich Photosmith. Die App liest das Bilderverzeichnis des iPad und importiert automatisch alle neuen. Mit meinen CR2-Daten hatte ich keine Probleme; auf der Website findet Ihr eine Liste aller unterstützten Raw-Formate (http://www.photosmithapp.com/index.php/camera-compatibility-list/).
Je nach Zahl der Bilder und Größe der Dateien kann das Importieren einen Moment dauern. Sie erscheinen der Reihe nach in der Bibliotheksansicht, wie man sie so ähnlich auch von Lightroom kennt. Wenn neue Bilder in die „Fotos“-App kopiert werden oder wenn Bilder gelöscht werden, merkt Photosmith das und importiert sie bzw. entfernt sie aus der Ansicht.
Man kann seine Bilder auch in „Collections“ organisieren, die den Lightroom-Sammlungen entsprechen. Dafür hatte ich bisher aber keine Verwendung.
Schritt 3: Bilder bearbeiten
Jetzt kann’s losgehen. Einmal auf ein Vorschaubild tippen öffnet es in der Vergrößerung. Man kann einen groben Eindruck gewinnen, ob es gelungen ist oder nicht. Nützlich ist auch die Möglichkeit, bis auf 1:1-Größe zu zoomen.
In der Einzelbildansicht kann man nun die Bilder nach dem eigenen System bewerten (mit Sternchen versehen), klassifizieren (mit Farbmarkierung) und mit Metadaten versehen.
Ein großes Manko von Photosmith besteht darin, dass man das immer nur für ein Bild auf einmal tun kann. Ich habe mir dazu einen Workaround ausgedacht, der im Prinzip darin besteht, dass ich immer nur die Bilder bearbeite, bei denen etwas anders ist als beim Vorgängerbild, und die übrigen überspringe. Ich beschreibe das am Ende des Artikels genauer.
Die „Angenommen“- bzw. „Abgelehnt“-Fähnchen kann man leider nicht setzen. Nach Angaben der Photosmith-Entwickler liegt das an der Programmierung von Lightroom – ob das wirklich so ist, kann ich nicht beurteilen. Man kann aber oben rechts auf den Button mit dem großen X klicken. Bilder, die so gekennzeichnet sind, werden nicht synchronisiert, wenn man den Photosmith-eigenen Synchronisierungsmechanismus verwendet.
Direkt unterhalb der Bedienelemente zeigt Photosmith die EXIF-Daten an (auf dem Screenshot nicht zu sehen). Man kann scrollen und gelangt damit zu den übrigen Metadaten-Feldern, die man aus Lightroom gewohnt ist. Beim ersten Benutzen musste ich ein bisschen probieren, bis ich die englischen Bezeichnungen in Photosmith den deutschen in Lightroom zugeordnet hatte, aber eigentlich ist das ziemlich leicht zu durchschauen.
Schritt 4: Bilder in Lightroom importieren
Wenn ich wieder zuhause am Rechner bin, importiere ich zunächst die Bilder von der Kamera in Lightroom. Man kann zwar auch mit dem Photosmith-Plugin importieren, aber dabei werden die Dateinamen verändert. Wenn ich direkt von der Karte importiere, bleiben die von der Kamera vergebenen Dateinamen erhalten, und meine Standardvorgaben für Importe werden angewendet. Ist wahrscheinlich Geschmackssache; technisch funktioniert der Photosmith-Import einwandfrei.Schritt 5: Photosmith mit Lightroom synchronisieren
Anschließend synchronisiere ich Photosmith und Lightroom. Das geht ganz einfach:
- Das iPad mit dem Rechner verbinden, Photosmith starten.
In Lightroom über Datei/ Zusatzmoduloptionen die „iPad to Lightroom Sync“ aufrufen. Es erscheint ein Dialogfenster, in dem man noch ein paar Einstellungen vornehmen kann: z.B. musste ich beim ersten Sync mein Bilderverzeichnis angeben.
- Jetzt einfach auf den „Sync“-Button klicken. Fertig.
Jetzt bearbeite ich in Lightroom die Metadaten nach, die ich in Schritt 3 übersprungen habe (genauere Erklärung im nächsten Abschnitt).
Theoretisch könnte man jetzt die bearbeiteten Metadaten wieder nach Photosmith zurückspielen. Das ist möglicherweise sinnvoll, wenn man intensiv mit Metadaten arbeitet, viel unterwegs ist und daheim am Rechner nicht fertig geworden ist. Dann könnte man am iPad weiter machen, wieder synchronisieren usw. Oder wenn man seine Bilder mitsamt Metadaten immer bei sich haben möchte. Ansonsten bringt’s meiner Meinung nach nichts, denn ich kenne keine App, die die Metadaten auf dem iPad irgendwie nutzbringend verwendet.
Deshalb lösche ich die Bilder vom iPad, sobald ich sicher bin, dass beim Übertragen und Synchronisieren alles funktioniert hat.
Ein großes Manko und ein Workaround
Wie oben schon angedeutet, besteht das große Manko von Photosmith darin, dass man immer nur ein Bild auf einmal bearbeiten kann. Was extrem lästig ist, wenn man 50 Bilder in der gleichen Stadt gemacht hat und mit Ortsangaben versehen möchte oder viele Bilder auf einmal auf „grün“ setzen möchte.Für mich habe ich das so gelöst:
- In einem ersten Durchgang kümmere ich mich um die Angabe der Location. Ich gehe zum ersten Bild und gebe die Ortsangaben ein. Dann klicke ich mich (über den Filmstreifen oder durch Wischen) bis zum ersten Bild, das ich an einem anderen Ort gemacht habe und trage hier die neuen Ortsangaben ein usw.
Im zweiten Durchgang vergebe ich die Stichwörter nach dem gleichen Prinzip: das erste Bild wird verschlagwortet, die folgenden bekommen so lange keine eigenen Schlagwörter, bis sich etwas ändert.
In weiteren Durchgängen könnte man nun die Bildunterschriften, Sternchen und Farbmarkierungen vergeben.
Zuhause am Rechner kopiere ich später mit relativ überschaubarem Aufwand die Daten der jeweils „ersten“ Bilder in die folgenden.
- Um Dinge wie Copyrightangaben, Name des Fotografen usw. kümmere ich mich nicht – das erledigt mein Lightroom-Import automatisch.
Was nicht geht
Es ist nicht möglich, Bilder von Lightroom nach Photosmith zu synchronisieren (nur Metadaten). Ich persönlich finde das auch ziemlich sinnlos, aber es scheint einen Bedarf dafür zu geben und die Entwickler haben es für Version 2 anscheinend in Arbeit.iOS hat oder hatte einen Bug, der dazu führt, dass Photosmith auch dann noch Bilder anzeigt, wenn alle aus der „Fotos“-App gelöscht wurden. Aber eben nur, wenn alle gelöscht wurden und nur so lange, bis mindestens ein neues importiert wurde. Anfangs beim Experimentieren hat mich das sehr verwirrt; jetzt, da die „Fotos“-App wohlgefüllt ist, spielt es keine Rolle mehr. Weitere iOS5-Bugs, die den Entwicklern das Leben schwer machen, sind auf der Photosmith-Webseite zu finden.
Nochmals vielen Dank an Thomas für diesen aufschlussreichen Bericht!
Viele Grüße und ein schönes Weihnachtsfest,
Christian



23.12.2011 um 10:06
danke. ist aber zu umständlich für mich….
ich nutze mein ipad eigendlich nicht zum arbeiten. nur zum surven, mails, feeds, etc.
trotzdem danke für den ausführlichen und gutgeschriebenen artikel!
15.01.2012 um 12:42
Hallo.
Sehr interessante Möglichkeit die Reisezeit zu nutzen, auch wenn es (meiner Meinung nach) noch ein “paar Lücken” hat. Vielen Dank für die Beschreibung deiner Arbeitsschritte.
Viele Grüße,
Ralf
27.05.2012 um 17:45
Hallo,
seit wenigen Tagen gibt es eine neue Version von Phtosmith, mit der man auch mehrere Bilder auf einmal verschlagworten kann. Wurde auch hier im Blog beschrieben. An dem grundsätzlichen Workflow (Bilder aufs iPad kopieren, mit Photosmith verschlagworten, zuhause Bilder in Lightroom importieren und nur die Metadaten mit Photosmith synchronisieren) würde ich allerdings nichts ändern.
Schöne Grüße,
Thomas
2.06.2012 um 14:54
Noch mal hallo,
nachdem ich mit der neuen Photosmith-Version ein paar Synchronisierungsprobleme hatte, habe ich eine Lösung gefunden und als Kommentar zu dem Artikel über Photosmith2 hier im Blog gepostet (http://www.lightroom-blog.de/2012/05/25/photosmith-2-erhaltlich/). Ich hoffe, das hilft.